Lilo Stahl: Mit 99 Jahren zum Tennis-Training

Immer in Bewegung bleiben: Das ist das Motto von Lilo Stahl. 99 Jahre ist sie jetzt alt. Mindestens zweimal die Woche spielt sie mit Freunden Tennis. Ihr Ziel: Auch mit 100 noch auf dem Platz stehen.

Ein Leben lang Tennis: Lilo Stahl mit Trainer Heinz Potzka. Zweimal die Woche geht’s auf den Platz in Bad Wiessee. Im Hintergrund sind Margret Rubens (l.) und Maria Gebert zu sehen.© tp Quelle: merkur.de

Ein Leben lang Tennis: Lilo Stahl mit Trainer Heinz Potzka. Zweimal die Woche geht’s auf den Platz in Bad Wiessee. Im Hintergrund sind Margret Rubens (l.) und Maria Gebert zu sehen.© tp Quelle: Merkur.de

Tennis spielt Lilo Stahl im Röckchen. Dass die Figur stimmt und die Beine schlank bleiben, darauf achtet sie heute wie damals. An ihrem 99. Geburtstag begrüßt sie die vielen Gratulanten aufrecht, mit strahlendem Blick. Dafür hat sie gekämpft.

Vor knapp zwei Jahren schienen die guten Zeiten vorbei. Eine schlecht beleuchtete Treppe wurde der 97-Jährigen zum Verhängnis. Sie stürzte, brach sich das Sprunggelenk. Drei Operationen waren nötig. Niemand glaubte, dass Lilo, das Tenniswunder, noch einmal den Schläger schwingen würde.

Ein Phänomen war sie da längst. Mit 80 Jahren holte sie bei der Senioren-WM in der Türkei den Titel im Doppel. Es war die Krönung einer langen Wettkampf-Karriere. Unzählige Pokale und Urkunden füllen die Vitrinen in ihrem Wohnzimmer in Weißach. „Ich bin viele Male auf dem Treppchen gestanden“, sagt Lilo. „Das gibt man nicht einfach auf.“

Auch nicht mit 97 Jahren und einem demolierten Sprunggelenk. Mit zäher Energie quälte sie sich durch unzählige Therapiestunden, bis sie wieder fest auf den Beinen stand. Mit eisernem Willen und ohne je den Humor zu verlieren. „Ich habe die ganze Station unterhalten“, erzählt die Seniorin. Gute Laune verbreiten, das ist ihr wichtig. Und stark sein.

„Sie ist wirklich hart gegen sich selbst“, weiß Margret Rubens (81). Sie ist wie Maria Gebert (60) Teil der Tennisrunde, mit der Lilo trainiert. Immer dienstags und donnerstags geht’s auf den Tennisplatz bei der Wiesseer Spielarena. Trainer Heinz Potzka (71) führt die Regie. „Diese Runde ist einmalig gut“, schwärmt Lilo. Es geht um mehr als Tennis. Man lacht viel zusammen, ist sich nah, motiviert sich.

„Ohne ihn hätte ich das alles nie geschafft“, sagt Lilo mit Blick auf Trainer Potzka. Denn bei aller Willenskraft: Fürs Tennis braucht es Partner. Lilo Stahl kann sich auf ihre Freunde verlassen.
Auf dem Platz gibt sie alles. „Durchschwingen, Lilo“, ruft ihr Potzka beim Training zu. Den gelben Filzball im Fokus. spannt die Seniorin die Muskeln. Das Spiel ist noch immer ihre Leidenschaft. Dabei liegen ihr auch kleine Bälle. Neben Tennis spielt die 99-Jährige regelmäßig Golf.

Bewegung und gute Gene: Das ist Lilo Stahls Erklärung dafür, dass sie hochbetagt noch immer spurten kann. Ihr ganzes Leben war bewegt. In Barcelona geboren, lebte sie mit ihrem Mann Wolfgang in Frankfurt. Er war Vorsitzender eines Tennisclubs, sie lernte den Sport schnell lieben, trainierte fleißig. Aber auch Kultur lag ihr stets am Herzen. Ihr großes Interesse daran zog sie in alle Erdteile. Seit 1962 lebte sie mit ihrem Mann zeitweise im Tegernseer Tal. Dort ist sie schließlich heimisch geworden. Für nächstes Jahr, meint Lilo, plane sie auch wieder eine Reise.

Der nächste Geburtstag wird der 100. sein. Lilo hofft, dass sie dann noch immer zweimal wöchentlich trainieren kann. Sie denkt nicht daran, mit dem Tennis aufzuhören: „So lange es mir so gut geht, mache ich weiter.“

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